Unser Namensgeber

Kardinal Clemens August Graf von Galen
„Der Löwe von Münster“

Clemens August Joseph Emanuel Pius Antonius Hubertus Maria Graf von Galen wurde am 16.03.1878 auf Burg Dinklage im heutigen Oldenburger Münsterland geboren. Er war das elfte von dreizehn Kindern, die aus der Ehe von Graf Ferdinand Heribert von Galen und der Reichsgräfin Elisabeth von Spee hervorgingen. Das Leben auf Burg Dinklage beschrieb Clemens August Graf von Galen später als kalt und entbehrlich, da es beispielsweise keine Heizung und keine Wasserleitung gab. Die Prägung durch seine fromme Mutter und das entschiedene Glaubensvorbild seines Vaters, welcher stets großen Wert auf Pünktlichkeit, Fleiß, Ordnung, Gehorsam und Selbstdisziplin legte, bewegten von Galen zu seinem Wunsch Priester zu werden.

Vater: Graf Ferdinand Herbert von Galen

Mutter: Reichsgräfin Elisabeth von Spee

Unterrichtet wurde von Galen zunächst auf Burg Dinklage von einem Hauslehrer und besuchte später das Gymnasium Stella Matutina im österreichischen Feldkirch. Schriftlichen Vermerken zufolge fiel es dem jungen von Galen zunächst schwer, sich zu schulischem Fleiß und Eifer anzuspornen. Stattdessen zeigte sich der 12-Jährige seinen Lehrern gegenüber häufiger uneinsichtig und widerspenstig.
1894 wechselte von Galen auf das katholische Gymnasium Antonianum in Vechta, wo er zwei Jahre später ein mäßiges Abitur absolvierte.

Clemens August Graf von Galen
mit etwa neun Jahren

Nach dem Abitur schrieb sich von Galen 1897 zunächst für die Fächer Literatur, Philosophie und Geschichte an der katholischen Universität Freiburg/Schweiz ein. Schnell bemerkte er, dass sein Interesse eher der Theologie galt. So wechselte er nach einem Jahr an die Universität Innsbruck und studierte dort Theologie.
Nach seiner Priesterweihe am 28.05.1904 war Clemens August Graf von Galen zunächst für mehrere Monate Domvikar und Kaplan in Münster und anschließend Priester in Berlin-Schöneberg.
Ab 1929 war von Galen wieder in Münster als Pfarrer der Stadt-, Markt- und Pfarrkirche St. Lamberti eingesetzt und wurde 1933 zum Bischof von Münster ernannt. Nach eigener Aussage wäre von Galen jedoch lieber „einfacher Pastor“ geblieben, um ein guter Hirte für die ihm anvertrauten Gläubigen zu sein. Mit seinem Spruch, der auch in seinem späteren Wappen als Kardinal zu finden ist, „Nec laudibus, nec timore“ (Weder Menschenlob, noch Menschenfurcht) verdeutlichte von Galen, dass er sich nur von seinem rechten Glauben leiten lassen wollte und sich nicht durch Mitmenschen darin beirren lassen wollte. Diese Überzeugung wurde bereits im Zuge seiner Bischofsweihe deutlich, als von Galen ausdrücklich betonte, dass er kein Bischof der NSDAP sei, welche zu diesem Zeitpunkt bereits die Macht in Deutschland übernommen hatte.


späteres Wappen des Kardinal von Galen

Anfangs suchte von Galen nicht den offenen Konflikt mit den Nazis, bemerkte aber bald, dass man sich bei jeder Gelegenheit an die Öffentlichkeit wenden müsse, um den Nazis Einhalt gebieten zu können.

Seine weltweit berühmtesten Taten, für die von Galen später den Beinamen „Der Löwe von Münster“ erhielt, sind die drei Kanzelreden, in denen er sich deutlich gegen das Vorgehen der Nationalsozialisten äußerte.

Anlass zur ersten Kanzelrede, die von Galen am 13.07.1941 in St. Lamberti hielt, war der vorhergegangene Klostersturm. Die Nazis hatten Ordenshäuser besetzt, diese geplündert und für eigene Zwecke genutzt. Von Galen warnte daraufhin in seiner Predigt vor den Gewalt- und Willkürmethoden der Nazis, vor denen auch die Rechtschaffenen im Deutschen Reich schutzlos seien. Bereits zu diesem Zeitpunkt war sich von Galen darüber im Klaren, dass auch er nicht vor den Praktiken der Nazis sicher war. So bat er seinen Kaplan, ihm im Falle einer Gefangennahme durch die Nazis Kleidung ins Gefängnis zu bringen.

Die Bedrohung hielt von Galen jedoch nicht davon ab, eine Woche später anlässlich neuer Gewalttaten durch die Nazis von der Kanzel der Überwasserkirche in Münster seine zweite Kanzelpredigt zu halten. In dieser rief der Bischof von Münster zum gewaltfreien Widerstand gegen das Nazi-Regime auf.

Die bekannteste der drei Kanzelpredigten hielt von Galen zwei Wochen später in der völlig überfüllten St. Lamberti-Kirche. Thema war dieses Mal die Euthanasie: Das Ziel der durch den Führer 1939 angeordneten angeblichen Sterbehilfe war es, nur starke Menschen, die kämpfen können, im Deutschen Reich zu haben. Aus diesem Grund töteten die Nazis gezielt alte, invalide und geistig kranke Menschen. Der Bischof von Münster trat mit seiner Predigt explizit für die Grundrecht aller Menschen ein. Die Predigten wurden in Auszügen von den Alliierten im gesamten Deutschen Reich in Form von Flugblättern verbreitet.

Viele Nazis forderten anschließend die Festnahme und Hinrichtung von Galens, um andere Bischöfe abzuschrecken. Doch die Nazis verschoben aus Furcht vor der Reaktion der Katholiken im Münsterland die öffentliche Hinrichtung von Galens auf die Zeit nach dem vermeintlichen Endsieg. Hitler, der diese Abrechnung mit von Galen persönlich vornehmen wollte, stoppte nach den Kanzelpredigten offiziell sowohl den Klostersturm als auch die Euthanasie. Jedoch lief letztere im Geheimen weiter.

Clemens August Graf von Galen wurde am 21.02.1946 durch Papst Pius XII. zum Kardinal ernannt. Augenzeugen berichteten, dass während der Zeremonie im Petersdom die anwesenden Gläubigen auf den neuen Kardinal mit frenetischem Jubel reagierten.

Von Galen selbst fühlte sich seiner Ernennung nicht würdig und nahm das Amt als große Belastung wahr.

Seine erste und auch letzte öffentliche Rede als Kardinal hielt Graf von Galen am 16.03.1946 vor den Trümmern des zerstörten Domes von Münster. Nur sechs Tage später verstarb „Der Löwe von Münster“ an einem zu spät erkannten Blinddarmdurchbruch und wurde am 28.03.1946 beerdigt.

Am 09.10.2005 sprach Papst Benedikt XVI. Kardinal Graf von Galen selig.

Kardinal von Galen während seiner Rede
zu etwa 50.000 Menschen
vor dem zerstörten Dom von Münster 

Quellen:

Beaugrand, G. (1988). Kardinal Graf von Galen. Der Löwe von Münster. Pattloch Verlag.

Grevelhörster, L. (2005). Kardinal Clemens August Graf von Galen in seiner Zeit. Aschendorff Verlag.

Wolf, H. (2006). Clemens August Graf von Galen. Gehorsam und Gewissen. Verlag Herder.

Bildquellen:

Bild des Kardinal von Galen: Diese Datei entstammt der Bildersammlung des Bistumsarchivs Münster, der Urheber ist Gustav Albers.

Vater und Mutter: Grevelhörster, L. (2005). Kardinal Clemens August Graf von Galen in seiner Zeit. Aschendorff Verlag, S. 11.

Graf von Galen mit etwa neun Jahren: Wolf, H. (2006). Clemens August Graf von Galen. Gehorsam und Gewissen. Verlag Herder, S. 7.

Wappen des Kardinal von Galen: Von I, SajoR, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27421241 

Bild von der Rede vor dem zerstörten Dom: Beaugrand, G. (1988). Kardinal Graf von Galen. Der Löwe von Münster. Pattloch Verlag, S. 70.

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